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Als Ersatz
für die 1870 abgebrochene Badeanstalt am Neuen Platz liess eine
Aktiengesellschaft unter Beteiligung der Stadt Luzern von Architekt
Heinrich Victor von Segesser 1884-1885 die Badeanstalt am Nationalquai
bauen. Die Aktienzeichnung erfolgte im November 1884. Das
vom Volk im Unterschied zur «Zwänzgerbadi» am Alpenquai «Föfzgerbadi» genannte
noblere Bad, auf der nobleren Seeseite gelegen, kam erst nach langen
Diskussionen zustande, weil Tourismuskreise im Badebetrieb eine Störung
der Quaipromenade befürchteten, die damals eben erst aufgeschüttet
worden war. Das Initiativkomitee setzte sich aber mit den Argumenten
durch, Hygiene sei für die kulturelle Entwicklung des Volkes
sehr wichtig, und das Schwimmen halte beide Geschlechter gymnastisch
fit. Zudem gebe es im Geissmattbad für Frauen kein Schwimmbassin. «Unsere
Frauen und Töchter sind einzig auf die engen und dunklen Zellen
angewiesen, während ihnen gerade ein grosses Badebassin, das
kräftige Bewegungen gestattet, sehr zu statten käme.» Frauen
und Männer erhielten «natürlicherweise auch gesonderte
Zugangsbrücken und Eingänge» zu den vollständig
getrennten Abteilungen. In der Frauenabteilung gab es mehr Einzelbadekabinen
mit internen Treppen ins Wasser, «einerseits, weil diese Art
Bäder bei den Frauen mehr verlangt wird und anderseits, um das
offene Bassin gegen den See vollständig abzuschliessen.» Die
Bassins auf der Männerseite wurden grösser gebaut, «da
Männer immer mehr die Schwimmbassins frequentieren werden als
die Frauen, obschon wir glauben, dass nach kurzer Zeit auch die Frauenwelt
die offenen Bäder den Zellenbädern vorziehen wird.»
Die
Seebadeanstalt am Nationalquai wurde am 28. Juni 1885 eröffnet.
Sie war ein typisches Kastenbad, ein vierflügeliger Pfahlbau
im Cottagestil mit zwei nach Geschlechtern getrennten Bassins,
deren Tiefe sich mittels eines verstellbaren Holzrostes regulieren
liess.
Das 32.25 m breite und 45 m lange Bad mit einem 21.50 m langen
und 15.50 m breiten Schwimmbassin für die Männer und
einem ebenso langen, aber nur 12.50 m breiten Bassin für die
Frauen wurde schon ab dem Nationalquai über zwei separate,
12 m lange Holzstege geschlechtergetrennt betreten. Während
die Männer
in den See hinaus schwimmen und auch ein Sprungbrett benutzen konnten,
hatten die Frauen innerhalb der Anstalt zu verweilen.
Im Eingangsbereich
an der Nordfassade befanden sich die Kasse, Räume
für die Lingerie und Aborte. Daran angrenzend waren auf der
Männerseite 15 offene Garderoben für Militär- und
andere Schulen, im Westflügel 8 Einzelbadekabinen mit Treppen
ins Wasser und 30 Umkleidezellen, die sich teilweise auch im seeseitigen
Südflügel befanden. Auf der Frauenseite waren im Nordtrakt
12 offene Garderoben für Schulen und andere Gruppen, im Ost-
und im Südflügel 13 Einzelbadekabinen mit Treppen ins
Wasser und 12 Umkleidekabinen. Der lange, schmale Raum zwischen
den Abteilungen
diente als (wohl sehr feuchter) «Tröcknungsraum»,
hier befand sich auch das Rettungsboot in einem Kanal.
1957 legte der Architekt Adolf E. Vallaster Pläne vor, welche
aufzeigten, wie das in die Jahre gekommene und dem damaligen
Badeverhalten nicht mehr entsprechende Wasserfort modernisiert werden
könnte.
Aufgrund seiner Vorschläge wurde es 1963-1965 im Stile des
Neuen Bauens purifiziert und mit Flachdächern ausgerüstet,
die jedoch nicht begehbar waren. Die Fassaden verkleidete man
mit grauen,
glatten Eternitplatten. Nicht zu aller Freude: Leserbriefe in
den Zeitungen sprachen vom «Bunker-Umbau». 1984-1985
erfolgte eine weitere Renovation, welche die Eternitverschalung
durch Holzfassaden
ersetzte und die Flachdächer als Sonnendecks begehbar machte.
Aus:
Seelust - Badefreuden in Luzern
Heinz Horat, 2008 ISBN 978-3-03919-086-7
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Die Damenabteilung der Badeanstalt Nationalquai um 1965

Schwimmunterricht in der Badeanstalt am Nationalquai, um 1955
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